Gedanken zur Bildqualität und Reproduktion

Festspielhaus Hellerau  Andre henschke Architekturfotograf in Dresden Aufnahme Festspielhaus Hellerau im Sommer

Gedanken zur Bildqualität und Reproduktion oder: Wie Architekturfotos genutzt werden können und sollten.

Kaum ein anderes Thema wird so kontrovers diskutiert und betrachtet wie die Qualität von Fotografien. Egal ob Portraitaufnahmen oder Langzeitbelichtungen, Tierfotos oder Architekturfotografien, immer entbrennt eine Debatte, ob dieses oder jenes Foto nun wirklich gut sei oder was daran als Fehler erkannt wird. Doch was erkennen wir als Bildfehler, und was macht die Qualität einer wirklich guten Aufnahme aus?

Eine wirklich “gute” Aufnahme entspricht den gängigen Anforderungen, sie ist nicht verwackelt, sie ist klar auf das Motiv fokussiert, es gibt keine Überbelichtungen, keine Unterbelichtungen, es tritt kein Bildrauschen aus, Linien verlaufen parallel und stürzende Linien werden vermieden. Das Motiv ist von einem gestalterischen Rahmen umgeben, es gibt einen Hintergrund und einen Vordergrund. Gegen das Verwackeln helfen bei genug Licht kurze Verschlusszeiten, bei wenig Licht ein Stativ. Ein Fernauslöser oder eine Aufnahme mit Selbstauslöser nach Zeitsteuerung sind ebenso hilfreich. Dabei gibt es für das kleine Gepäck eine sehr einfach Variante, immer ein Stativ dabei zu haben: Das Kirschkernkissen - ganz ohne Spaß, das kleine Kirschkernkissen ist auf jeder Zaunsäule oder auf jeder Bank, dem Autodach oder einem Stein platzierbar und man kann die Kamera darauf genau platzieren und in die richtige Richtung schieben. Nimmt es im Rucksack wenig Platz ein, bietet es Hotel am Abend noch wohlige Wärme nach einer langen Wanderung. Gegen das Bildrauschen hilft ein geringer ISO-Wert oder eine längere Belichtung oder eine offene Blende, wenn anwendbar. Über und Unterbelichtungen lassen sich durch einen Belichtungsmesser vermeiden, dieser ist heute meist in der Kamera verbaut und zeigt an, welche Bildbereiche zu hell oder zu dunkel ausgeleuchtet werden. HDR-Aufnahmen sind eine Abhilfe, ein etwas höherer ISO Wert ermöglicht aber die Erhöhung des Dynamikumfangs. Ein kleiner Tipp dazu am Rande: Das Nutzen von ISO 400 ermöglicht bei Sommersonne in der Mittagszeit bessere Fotos. Das klingt seltsam, hat aber einen einfachen Grund. Bei extremer Sonneneinstrahlung werden die Schlagschatten meistens sehr schwarz dargestellt. Auch wenn der alte Spruch seine Gültigkeit behalten hat: “Zwischen zwölf und zwei hat der Fotograf frei”, manchmal geht es nicht anders. Mit ISO 400 muss man zwar eine vierfach kürzere Verschlusszeit wählen, aber die Schatten behalten etwas von ihren Bildinformationen. Optional kann ein ND Filter eingesetzt werden. Vom Einsatz variabler ND Filter rate ich persönlich ab. Der Grund ist einfach: Die sich gegeneinander verdrehenden Scheiben erzeugen nicht nur eine Polarisationswirkung, was einem Polfilter gleich kommt und damit das Bild verändert, beide Gläser haben meist keine optimale Vergütung, das Drehen lässt Bildfehler entstehen, da jedes Glas eine Teil des Lichts bricht und damit die Bildqualität vermindert. Gute ND Filter fügen dem Bild keinen Farbstich hinzu und zeigen keine Vignettierung, sie sind aber auch nicht preiswert.

Aufzug zur Festung Dresden am Abend bei Sonnenuntergang im November auf der Brühlschen Terrasse Andre Henschke Architekturfotograf in Dresden Aufzug zur Festung Dresden am Abend bei Sonnenuntergang im November auf der Brühlschen Terrasse

Kommen wir nun zum Thema der Objektive, derer es eine extrem große Anzahl gibt. Was einfach klingt, ist in Wahrheit etwas schwieriger umzusetzen. Es gibt Objektive, welche einen so genannten Frontfokus oder Backfokus aufweisen, das heißt, dass das Objektiv etwas zu weit vorn oder zu weit hinten fokussiert, wenn der Autofokus genutzt wird. Das kann ärgerlich sein, ist aber in vielen modernen Kameras einstellbar, durch einen Test muss durch den Anwender ermittelt werden, um wie viele Millimeter der Fokuspunkt verlagert ist, in der Kamera wird dies als Korrekturwert hinterlegt. Daher sollte jeder Käufer seine Objektive einem immer gleichen Test unterziehen, um nach dem Kauf einen solchen Fehler zu bemerken und ggf. zu reklamieren. Auch können Zoomobjektive im Sommer, bedingt durch ihre Bauweise, bei hohen Temperaturen sich etwas dehnen, dann verschieben sich die Entfernungseinstellungen, ein Grund, warum am Fokussierring über die Markierung für unendlich hinaus gedreht werden kann - es ist der praktische Weg, um eine mögliche Veränderungen bei Temperaturunterschieden konstruktiv aufzufangen. Etwas unschöner ist das Verhalten sehr preiswerter Objektive, welche heute oft mit Kunststofflinsen ausgestattet sind. Werden diese Objektive im sehr warmen Auto belassen, können sich die Linsen leicht verziehen. Diese Fehlstellung führt zu Unschärfen an den Bildrändern und im Mittelpunkt der Fotografie, das Ergebnis sind Aufnahmen, die einfach nicht scharf werden wollen. Natürlich gibt es auch bei sehr guten Objektiven Serienstreuungen zwischen den einzelnen Produkten, manchmal ersteht man ein Montags Objektiv, was man reklamieren sollte. Darüber hinaus gilt in sehr vielen Fällen, dass Objektive sowohl bei ihrer Offenblende als auch ihrer geschlossensten Blende nicht die höchsten Abbildungsqualitäten erzielen. Auch ist die Nutzung der kürzesten und längsten Brennweite von Zoomobjektiven nicht zu empfehlen. Daher ist es ratsam, beim Zoomobjektiv bis zum Anschlag zu drehen und dann wenigstens etwas zurück, meist ist dann schon die Qualität etwas größer.

Der Grund dafür liegt in der Bauweise der Objektive. Die sogenannte Beugungsunschärfe* tritt auf, wenn Objektive bei stark geschlossener Blende nicht mehr den gesamten Linsenbereich zur Lichbrechung nutzen können. Der verbliebene, innere Linsenbereich wird genutzt, was dazu führt, dass das Licht stärker gebeugt werden muss, als bei vglw. Blende 8. Gleiches gilt umgekehrt bei absoluter Offenblende. Das Licht fällt auch durch die äußersten Bereiche der Linse ins Objektiv und wird dann gebeugt. Wenn die Linse also nicht exakt für alle Blendenstufen gerechnet und optimiert worden ist, bietet sie keine optimale Abbildungsqualität. Ein Grund warum viele Objektive zwischen Blende 7.1 und Blende 11 wirklich gut sind - ansonsten nur mittelmäßig. Linsen in Objektiven müssen also für alle Brennweiten und alle Blenden berechnet werden. Da die Kombination aus Brennweite und Lichtbeugung je nach eingestellter Blende variiert, müssen Korrekturlinsen genutzt werden, was die Berechnung nicht einfacher macht. Sehr hochwertige Objektive erlauben in allen Blenden- und Brennweiten-Kombinationen herausragende Aufnahmen. Ich zitiere mich selbst an dieser Stelle, wenn ich einen Exkurs zum Thema Mikrokontrast und Bildqualität hier nochmals anführe, denn finale Bildqualität wird von Objektiven stark beeinflusst. Warum das so ist, hat einen einfachen Grund. Objektive bestehen aus Glaslinsen. Ein gutes Objektiv kommt mit so wenigen Glaslinsen wie möglich aus, denn jede Linse reflektiert Licht (dieser Wert kann 5-8% betragen, beste Linsen erreichen ca. 0,48%) und lässt nur einen Teil des ursprünglich einfallenden Lichts auf der anderen Seite wieder heraus; Abbildungsfehler sind nie vollkommen zu vermeiden. Die Menge des absorbierten Lichts in Linsen variiert sogar nach dessen Farbe und ist wiederum von der Vergütung des Glases abhängig. Daher haben Objektive einen leichten Farbstich, der erst im Computer korrigiert werden muss, wohlgemerkt: korrigiert, nicht behoben, das Ergebnis wird nur optisch repariert. Das kann soweit gehen, das, um einen bestimmtes, gewünschtes Bokeh zu erreichen, im geringem Umfang Farbsäume akzeptiert werden müssen. Je höher vergütet ein Glas, desto besser sind dessen optische Eigenschaften. Jedes optische Glas weist aber einen zwar geringen, aber nicht auszuschließenden Umfang an winzigen Luftbläschen auf, der das Licht ebenfalls trübt.

Glas ist für "echte" optische Zwecke also nicht besonders geeignet, es ist bedauerlicherweise kein besseres Material bekannt, evtl. werden die Werkstoffwissenschaften irgendwann dieses Problem lösen. Das Objektiv soll scharfe Fotos liefern, es soll also den so genannten Mikrokontrast optimal darstellen. Beim Mikrokontrast handelt es sich um eine nicht genau messbare Größe, die in etwa das Schärfeempfinden des menschlichen Auges wiedergibt. Es geht dabei darum, Unterschiede im Kontrast selbst bei sehr feinen Strukturen darzustellen - ist ein Kontrastunterschied von weniger als 9,99% gegeben (also sehr wenig Kontrast) und ist dieser geringe Kontrastunterschied noch wahrnehmbar im Bild, verfügt das Bild über sehr viel Mikrokontrast. Dass können Oberflächen der Fassade aber auch Details der Haut sein, oder Blätter an Bäumen und Pflanzen. Je realer das Foto, umso prägnanter und realistischer stellen sich die Farben dar. Ebenso hat das Bild eine Dreidimensionalität und Tiefe, die unbewusst positiv erkannt wird. Wenn wir von einem "scharfen" Bild sprechen, dann meinen wir nicht wirklich die Auflösung des Fotos, denn das menschliche Auge ist bei einem vergleichsweisen normalen Abstand des Betrachters zum Bild und einem Bildwinkel von 42° nur in der Lage, eine Auflösung von 8-12 Megapixel wahrzunehmen. Diese 8-12 Megapixel sind deutlich weniger, als das, was moderne Objektive und Kameras aufzeichnen können. Alles, was an Auflösung über diese 8-12 Megapixel hinausgeht, wird vom Auge des Menschen schlicht nicht mehr als Auflösung gesehen. Mit anderen Worten: Der Mensch kann keine 50 Megapixel Auflösung auf einem Bild erkennen. Was wir als Schärfe im Bild bezeichnen, sind die Mikrokontraste und weniger die hohen Megapixel-Auflösungen der Sensoren der Kamera. Die Mikrokontraste sagen auch etwas darüber aus, wie hoch die Farbtreue und wie hoch der Tonwertumfang des durch ein Objektiv gefilterten Lichts ist und wie genau diese einzelnen Werte auf jeden Punkt des Bildes angewendet werden.

Frauenkirche Dresden bei Sonnenaufgang im Sommer vor blauem Himmel Andre Henschke Architekturfotograf in Dresden Klassisches Elbpanorama von Dresden im Dezember bei wolkelnlosem Himmel, Panorama aus mehreren Langzeitbelichtungen

Die meisten Qualitätsprobleme bei Fotos lassen sich als durch diese wenigen Handgriffe bereits lösen. Ist das Objektiv in der Lage, ein gutes Abbild zu liefern und wurde die Kamera richtig eingestellt, so steht einer fehlerfreien Aufnahme nichts mehr im Wege. Ob eine Aufnahme aber als gut oder schlecht angesehen wird, liegt im Auge des Betrachters und hängt von der Art ab, wie diese angeschaut wird. Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Bildbetrachtung: Die Betrachtung auf einem Ausdruck und die Betrachtung an einem Bildschirm. Jeder Fotograf schätzt sich glücklich, wenn seine Aufnahmen auf sehr hochwertigem Papier gedruckt, in großem Format in einer Ausstellung und bei indirektem Licht, gezeigt werden. Der geneigte Betrachter soll dann einige Meter vor der Aufnahme, am besten vor einer roten Kordelabsperrung stehend, das Werk bewundern und beeindruckt sein. Für diese Reproduktion stehen sehr hochwertige Papiere zur Verfügung und jede gute Druckerei wird in Abhängigkeit von den angebotenen Papieren auch sogenannte ICC Profile zum Download anbieten. Jedes Papier besitzt eine gewisse Eigenfärbung, diese dem Material eigene Farbe und die Art der Darstellung der Farben werden nach Möglichkeit durch die Nutzung eines ICC Profils in soweit angeglichen, als das auf dem Bildschirm des Fotografen, an welchem der Druck vorbereitet werden soll, das zu erwartende Druckergebnis digital als Ansicht simuliert werden soll. Dieser sogenannte Softproof ist also eine Simulation des späteren Drucks am eigenen Bildschirm, um die leichten Unterschiede zwischen Bildschirm (mit Hintergrundbeleuchtung) und Papierdruck zu simulieren. Dazu muss natürlich auch der Bildschirm des Fotografen kalibriert werden, was ein komplexer Prozess ist. Dabei wird mit einer speziellen Kamera ein Testbild von Farben auf dem Bildschirm aufgenommen und mit Soll-Werten verglichen. Stimmen diese Soll-Werte mit den Ist-Werten überein, zeigt der Bildschirm die Farben korrekt an. Ein Softproof mit den passenden ICC-Profilen wird dann eine gute Vorschau für das spätere Druckprodukt bieten.

In der Praxis ist diese Form der Reproduktion von Fotoaufnahmen leider sehr selten anzutreffen. Die allermeisten Fotoaufnahmen, auch die Aufnahmen von Berufsfotografen, werden nur digital wahrgenommen. Werden Fotos gedruckt, dann sehr oft als Bestandteil von komplexeren Drucksachen, wie Broschüren, Flyern oder anderen Werbemedien. Dabei wird eine Bilddatei in einer Grafiksoftware eingebunden und als Druckdatei an eine Druckerei übermittelt. Als PDF X3 oder neuer PDF X4 im CMYK Farbmodus werden die Druckdaten durch einen Preflight geprüft und dann als Drucksache umgesetzt. Eine direkte Anpassung der Bilddaten an den späteren Druck ist hier nur sehr selten möglich, da Fotografen ihre Fotos einmal zur Verfügung stellen und erst später durch andere Personen die Bilddaten in Druckvorlagen eingebunden werden und die Wahl des Mediums Papier nicht mit dem Fotografen zum Zeitpunkt der Bilddaten Erstellung abgestimmt wurde - und werden konnte. Großformatiger werden Fotos auf Roll-Ups oder Messewänden reproduziert. Hier kommen keine Papiere mehr zum Einsatz sondern Chemiefasern oder flexible Kunststoffe. Eine Abstimmung der Materialien und der Fotografien wäre wünschenswert, erfolgt aber leider selten. Hier sollten Bildverwerter mit Fotografen langfristig zusammenarbeiten, denn JPEG Dateien können später durch Grafikdesigner kaum noch so modifiziert werden, wie durch den Fotografen, der sein digitales Negativ (RAW-Datei) ursprünglich für seine Kunden aufbereitete. Denn bei so großformatigen Drucksachen fallen Defizite in Bildern besonders auf. Messestände sind von Haus aus sehr preisintensiv, die Investition in sehr gute Bilddaten ist dann fast selbstverständlich.

Frauenkirche Dresden bei Sonnenuntergang im Winter vor blauem Himmel Andre Henschke Architekturfotograf in Dresden Frauenkirche Dresden bei Sonnenuntergang im Winter vor blauem Himmel, Panoramaaufnahme über der Elbe, Standpunkt Carolabrücke

Das Ergebnis einer guten Reproduktion, also eines guten gedruckten Fotos, hängt also entscheidend von einer präzisen und durchgehenden Kommunikation zwischen Auftraggeber, Fotograf, Grafikdesigner und Druckerei ab. Nur wenn der Auftraggeber zu Beginn klar kommuniziert hat, zu welchem Zweck die Aufnahmen verwendet werden sollen, kann der Fotograf diese auch passend aufnehmen. Dies gilt auch für Architekturfotografien. Sollten sie später einmal in sehr hoher Auflösung großformatig gedruckt werden, ist dies vor Auftragsumsetzung mitzuteilen, denn ganz anders als in manchem Spielfilm, können Bildpunkte und Bilddetails später nicht erschaffen werden. Der Architekturfotograf muss also wissen, was deutlich später mit seinen Aufnahmen einmal umgesetzt werden soll. Weiß er das nicht, kann er nur eine möglichst gute Version seiner Architekturfotos erstellen und hoffen, dass diese auch Jahre später noch auf den zukünftigen Druckmedien gut aussehen, ohne zu wissen, welche Art des Drucks und Materials dann verwendet wird. So ist der Druck auf hochwertigen Folien, etwa zur Nutzung in einer hintergrundbeleuchteten Box (Buswartehäuschen oder in Shopping Malls üblich), eine der am besten beleuchteten und am höchsten aufgelösten Formen der Druckproduktion, sie lässt aber auch sehr viele Schwächen am Bild sichtbar werden.

Da Architekturfotografen dies aber wissen und diese Aufgabe sehr oft lösen müssen, bereiten sie ihre Bilddaten entsprechend auf, oder sollten dies zumindest tun. Ist, wie anfangs bereits dargestellt, das Bild qualitativ in Ordnung, ist das Objektiv von hoher Güte und bildet mit ausreichend Mikrokontrast selbst feine Konturen differenziert ab, so kommen wir nun zum Thema der Auflösung eines Fotos. In jedem Jahr werben die Hersteller moderner Digitalkameras mit neuen Exponaten, die immer höhere Auflösungen in Megapixeln bieten. Mit mehr Megapixeln sind auch größere Bilddateien verbunden, was die Handhabung der Datenmengen immer schwieriger macht. Wie schon dargestellt, löst das menschliche Auge nicht mehr als 8-12 Megapixel auf, wenn der Betrachtungsabstand stimmt. Als Richtwert des “richtigen” Betrachtungsabstands kann die einfache bis doppelte Bilddiagonale des Druckprodukts als Abstand zwischen Betrachter und Druckerzeugnis angesehen werden. Für einen Druck im Format A4 reichen damit 12 Megapixel durchaus aus. Da der Abstand mit Druckformat immer steigt, gibt es praktisch gar keinen Grund, mehr als 12 Megapixel aufzunehmen, auch wenn die Industrie gern immer mehr Megapixel bewirbt. Entscheidend ist die Dichte an Bildpunkten, die je Längeneinheit gedruckt wird. Dieser Wert wird in DPI, also Dots Per Inch angegeben. Ein Inch beträgt 2,54 cm, bei normalem Bilderdruck sind 300 DPI üblich. Große Plakate werden auf Grund des großen Abstands zwischen Plakat und Betrachter mit nur 25 DPI gedruckt, die formale Auflösung ist dann geringer, was der Betrachter aber nicht bemerkt. Tritt er nahe an das Plakat heran, sieht er nicht mehr Details - aber auch nicht mehr das gesamte Plakat. Wirklich hohe Auflösungen sind daher nur dann notwendig, wenn großformatige Drucksachen mit geringem Betrachtungsabstand verbunden werden. Dies ist auf Messewänden, Roll-Ups oder in der Werbung notwendig, in besagten Buswartehäuschen können Sie solche großen Werbedrucke aus kurzer Distanz mit sehr hoher Auflösung finden. An dieser Stelle haben die jeweils aktuellen Modelle der Kamerahersteller mit hohen und höchsten Auflösungen ihre berechtigte Einsatzumgebung, insofern die genutzten Objektive auch diese Auflösungen bieten, was nicht immer der Fall ist.

Abzusehen ist vom Hochrechnen von Bilddaten, bei welchem Pixel interpoliert werden, also von der Software "erfunden" werden, um dem Bild mehr Details hinzuzufügen, die vorher nicht vorhanden waren. Um das "Strecken" der Datei zu verhindern, was ja zu einer Verzerrung der rechteckigen Pixel führt, bietet sich ein anderes Verfahren an. Dabei wird zum Beispiel in Adobe Photoshop (ich benutze nur die englische Menüführung in meinen Programmen, was die Arbeit im internationalen Umfeld sehr vereinfacht) das Menü "Image" (Bild), dann "Image size" (Bildgröße) gewählt. Der Punkt "Resample Image" (Neu Berechnen) sollte unbedingt deaktiviert werden, denn sonst werden wie beschrieben dem Foto neue, erfundene Pixel hinzugefügt. Nun muss der Haken in "Constrain Proportions" (Seitenverhältnis beibehalten) verbleiben, es kann jetzt die beliebige Bildgröße in cm oder inch etc. eingegeben werden. Dabei verändert sich die Auflösung - von 300 dpi am Beginn auf einen deutlich geringeren Betrag - die Dateigröße bleibt dabei aber gleich. Dies ist ganz normal, denn praktisch verteilen sich die gleichen Pixel auf einer größeren Fläche. Wie bereits beschrieben, ist das menschliche Auge mit max. 8-10 Megapixel Auflösung bei einem Betrachtungsabstand vom 1,5-fachen der Bildlangkante nicht in der Lage diese verringerte Bildauflösung zu sehen, wenn das Ausgangsbild mindestens 10 Megapixel hatte.

Frauenkirche Dresden bei Abendlicht mit Mond im Frühling vor blauem Himmel Andre Henschke Architekturfotograf Frauenkirche Dresden bei Abendlicht mit Mond im Frühling vor blauem Himmel, Panorama von der Brühlschen Terrasse aus bei Mondschein

Doch widmen wir uns nun den weitaus häufiger auftretenden Fall der Bildnutzung, der digitalen Wiedergabe auf Bildschirmen. Hier offenbart sich das Dilemma der digitalen Fotografie in ganzem Umfang, denn kein Fotograf weiß, auf welchem Bildschirm seine Aufnahmen angeschaut werden. Wird ein Nutzer die Bilder auf dem großen und hochwertigen Büro Bildschirm betrachten, nutzt der Nächste sein Smartphone. Ist es der Gast im Hotel, der bei gedämpften Licht am Tablet das Foto gut wahrnehmen kann, so schaut ein Anderer die Aufnahme im Sonnenschein des Stadtparks an - und erkennt fast nichts. So vielseitig wie die heutigen Bildschirm Varianten sind, so vielseitig sind die Möglichkeiten,ein Foto auch zu sehen. Viele Fotos brauchen eine gewisse Größe, um zu wirken. Bietet der große Fernseher daheim diese Option, so ist das Smartphone dazu nicht in der Lage. Das Bild muss aber immer und überall optimal wirken, eine plattformunabhängige Contentwiedergabe wird gefordert und ist bei ebooks und Texten längst Standard. Hier fehlen moderne Bilddateiformate, die diese Lücke schließen. Architekturfotografen können also nur versuchen, ihre Aufnahmen an den gegenwärtigen und zukünftigen Geschmack am besten durch optimale Aufbereitung anzupassen.

Um dies zu erreichen ist die Aufnahme der Fotos im Format digitaler Negative, also in RAW-Files unerlässlich. RAW-Files sind mit Datenwürfeln zu vergleichen, die weit mehr Informationen abspeichern, als nur einfache Farbwerte zu den Pixeln, aus denen sich der Eindruck eines ganzen Bildes ergibt. Eine JPEG Datei, also eine klassische Bilddatei zur Nutzung im Internet, enthält nur 8 bit je Farbkanal und damit 256 (zwei hoch acht) Helligkeitswerte. Digitale Negative bieten hier deutlich mehr: 14 bit je Farbkanal werden abgespeichert und damit 16384 Helligkeitswerte. RAW-Dateien enthalten sehr einfach ausgedrückt sehr viel mehr Farbinformationen bzw. Informationen zu den Farbwerten/Helligkeitswerten jedes einzelnen Pixels. Das ermöglicht später auch deutlich mehr Optionen in der digitalen Nachbearbeitung, sowohl zur Vorbereitung der Druckdaten als auch zur Anpassung der Bilder für Betrachter an Bildschirmen. Um es anders zu verdeutlichen: Eine RAW Datei kann den Helligkeitsumfang von acht bis 14 Blendenstufen abspeichern. Bitte vergessen Sie dabei eines nie, die Daten, die Sie beim Betätigen des Kameraauslösers sammeln können, sollten Sie auch sammeln bzw. aufnehmen, denn der Moment, den Sie festhalten, kommt nie zurück.

Nun wollen wir zusammenfassen, was das Thema der Bildqualität und Reproduktion betrifft

Es ist eine Kombination aus guter Hardware, versierter Nutzung, die nur aus viel Übung entsteht und der Kenntnis, wie Bilddaten aufbereitet werden müssen, um gedruckt zu werden oder wie Bilddaten am Bildschirm betrachtet werden. Die berühmtesten Fotos der Weltgeschichte waren meistens weder besonders scharf fokussiert noch waren sie besonders gut technisch umgesetzt worden, sie hatten eines gemeinsam - sie wurden aufgenommen und von Fotografen erstellt, die nah am Leben und mitten im Geschehen waren. Das beste Foto ist niemals das technisch perfekte Werk, das nicht entstand, weil die letzten Feinheiten der Kunst nicht gestimmt haben; es ist das Foto, das die Essenz des Augenblicks am besten erfasste und damit einzigartig und wichtig für unsere Zeitgeschichte wurde.
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*) Interessanterweise ist die Beugungsunschärfe sogar geringer, wenn Foto-Motive weiter von der Kamera entfernt sind. Der Grund dafür ist, dass die "effektive Blende" eines Objektivs von der Entfernung der Blendenöffnung des Objektivs vom Sensor/ vom Film abhängt. Bei normalen Aufnahmen spielt dieser Abstand in Relation von Foto-Motiv <=> Objektiv-Blendenöffnung sowie Objektiv-Blendenöffnung <=> Sensor/Film keine Rolle. Bei Makroaufnahmen, also Aufnahmen, die im extremen Nahbereich weniger Zentimeter vor der Blendenöffnung stattfinden, verändert sich diese Relation. Der Abbildungsmaßstab ist ein anderer, damit verbunden ist die Berechnung der "effektiven Blende" auch anders. Nun ist der Weg zwischen Objektiv-Blendenöffnung <=> Sensor/Film vglw. zum Foto-Motiv  sehr lang. Beträgt der Abbildungsmaßstab 1:5, so zeigt ein 100mm F2.8 Objektiv eine effektive Blende von 3,6. Beträgt der Abbildungsmaßstab 1:1, so beträgt die effektive Blende 5,9. Daraus folgt, dass die Beugungsunschärfe, die bei hohen Blendenzahlen vermehrt auftritt, bei Makrofotos durch die vglw. höhere effektive Blende bzw. wirksame Blende stärker oder häufiger auftritt.


Architekturfotografie
"Es gibt mit Sicherheit etwas unverwechselbares und einzigartiges, das unsere Zeit, das jede Epoche charakteristiert, das wir aber noch nicht fotografisch verwirklicht haben, und das die Regeln der Ordnung in der Abbildung benötigt, um es als Gesamtwerk entstehen zu lassen."

André Henschke

Architekturfotograf in Dresden, Immobilienfotograf und Interim-Manager